Was ist Facettengelenkschmerz und wie erkennt man ihn?
Die Facettengelenke sind kleine Gelenke, die die Wirbel von hinten verbinden und Bewegung und Stabilität ermöglichen. Über die Jahre können Verschleiß (Arthrose) oder Überlastung sie zu einer Schmerzquelle machen. Facettenbedingter Schmerz ist meist im Rücken lokalisiert, verursacht Morgensteifigkeit, verstärkt sich beim Stehen und besonders beim Zurücklehnen, kann beim Sitzen etwas nachlassen und zeigt keine dominante ischiasartige Ausstrahlung ins Bein. Diese Merkmale allein begründen jedoch keine Diagnose; ähnliche Beschwerden können von der Bandscheibe und anderen Ursachen kommen. Daher wird die Entscheidung zur Facettenbehandlung neben Untersuchung und Bildgebung oft mit einem diagnostischen Block bestätigt — der schmerzleitende Nervenast wird vorübergehend betäubt, um zu prüfen, ob der Schmerz wirklich abnimmt.
Wie werden Facetteninjektion und Radiofrequenz-Denervierung durchgeführt?
Beide Verfahren werden ohne offene Operation unter Bildgebung (Durchleuchtung) durchgeführt. Bei der Facetteninjektion wird ein Kortison-artiges Steroid mit einem Lokalanästhetikum in oder um das Gelenk eingebracht, um Entzündung und Schmerz zu beruhigen; dies ist zugleich Behandlung und ein diagnoseunterstützender Schritt. Bei der Radiofrequenz-Denervierung wird über eine feine Nadelspitze kontrollierte Wärmeenergie an den kleinen schmerzleitenden Nervenast (medialer Ast) abgegeben, um dessen Schmerzweiterleitung vorübergehend zu verringern. Der Eingriff wird meist rasch unter Lokalanästhesie abgeschlossen. Wichtig: RF „zerstört“ den Nervenast nicht; es unterdrückt die Schmerzweiterleitung für eine Zeit, und da Nervenäste sich mit der Zeit regenerieren können, muss die Wirkung nicht dauerhaft sein und der Schmerz kann wiederkehren.
Für wen geeignet, für wen unzureichend?
Ein geeigneterer Kandidat ist ein Patient, dessen Schmerz ein Facettenmuster zeigt, der in der Bildgebung eine Facettenarthrose hat und bei dem die Schmerzquelle idealerweise mit einem diagnostischen Block als Facette bestätigt wurde. Ist die wahre Schmerzquelle dagegen ein Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelkompression, überwiegt ein radikulärer Beinschmerz, oder besteht eine fortschreitende Schwäche, ist die Facettenbehandlung unzureichend; in diesen Fällen stehen die epidurale Injektion oder — bei Indikation — die Operation im Vordergrund. „Nicht-chirurgisch“ zu sein macht dieses Verfahren also nicht für jeden Rückenschmerz richtig; wird die Schmerzquelle nicht korrekt bestimmt, geht Zeit verloren. Entscheidend für den Erfolg ist die Wahl des richtigen Patienten und der richtigen Schmerzquelle.
Verhältnis zu anderen Methoden und das Stufenkonzept
Die Behandlung wird in Stufen gedacht: Zuerst werden Medikamente, korrekte Übungen, Physiotherapie und Lebensstilanpassung versucht. Bei Patienten, die darauf nicht ausreichend ansprechen und deren Schmerz als facettenbedingt bestätigt ist, sind Facetteninjektion und RF ein sinnvoller Zwischenschritt. Stammt der Schmerz von Bandscheibe und Nervenwurzel, kann eine epidurale/transforaminale Injektion passender sein, und bei einem intradiskalen Druckproblem kann die Nukleoplastie ausgewählten Fällen entsprechen. Diese Verfahren sind keine Konkurrenten; es geht darum, das richtige Werkzeug für den richtigen Patienten zu wählen. Die geeignete Methode wird individuell nach Klärung der Schmerzquelle festgelegt.
Erholung, Erwartungen und Risiken
Ein Vorteil der RF-Denervierung ist, dass sie beim richtigen Patienten eine Schmerzlinderung über Wochen bis Monate bewirken kann; dieses Fenster erleichtert Physiotherapie und Bewegung. Man muss aber realistisch sein: Die Wirkung muss nicht dauerhaft sein, der Schmerz kann wiederkehren, während sich die Nervenäste regenerieren, und der Eingriff kann bei Bedarf wiederholt werden. Auch die Wirkung einer Facetteninjektion ist variabel. Kein Eingriff ist risikofrei; selten können Infektion, vorübergehende Taubheit oder Schmerz an der Stelle auftreten, was im Aufklärungsgespräch besprochen wird. Für keine Methode kann eine „garantierte Heilung“ versprochen werden; langfristig sind Gewichtskontrolle, Kräftigung von Rücken- und Bauchmuskeln und regelmäßige Bewegung für eine dauerhafte Genesung nötig, gleich welches Verfahren angewandt wird.